Die Suche nach dem Freeride-Paradies

Für Surfer ist es die perfekte Welle, für Bergsteiger der höchste Gipfel. Freerider dagegen suchen auf Skiern oder Snowboards nach dem perfekten Schnee und dem perfekten Hang abseits gesicherter Pisten. Einer dieser Suchenden ist auch der Tiroler Freeride-Profi Matthias „Hauni“ Haunholder. Er reiste auf seiner Suche nach dem Freeride-Paradies um die halbe Welt - und kam dabei zu der Erkenntnis, dass es direkt vor seiner Haustür liegt. Zahlreiche Tiefschneefreaks aus aller Welt wissen ebenfalls um die Qualitäten der mächtigen Tiroler Bergwelt und besuchen Freeride-Camps oder Lawinenkurse im Herz der Alpen. Dort zeigen ihnen ortskundige Bergführer und Freeride-Profis, wie sie mit möglichst wenig Risiko die schönsten Powder-Hänge erobern. Zusätzlich können sich ambitionierte Freerider in Tirol bei neuen Wettbewerben abseits der Piste messen - oder am 9. März 2013 zusehen, wenn am Wildseeloder in Fieberbrunn die weltbesten Freerider gemeinsam mit „Hauni“ am Start stehen.

Impressionen von der Freeride World Tour in Fieberbrunn
Impressionen von der Freeride World Tour in Fieberbrunn ©FWT / Sebastian Marko

Matthias Haunholder geht gern Skifahren. Nur eben ein bisschen öfter, ein bisschen steiler und ein bisschen weiter abseits gesicherter Pisten als die meisten anderen Skifahrer. Als Schüler wollte er unbedingt Rennläufer werden und arbeitete verbissen daran, es in den alpinen Ski-Weltcup zu schaffen. Stattdessen wurde es die Freeride World Tour. „Hauni“ - so wird er von Freunden gerufen - verdient sein Geld als einer der weltbesten professionellen Freerider: „Nach der Schule hat sich bei mir alles ein bisschen in eine andere Richtung entwickelt. Ich habe einfach den Spaß beim Skifahren neben der Piste gefunden und gemerkt, dass das mein Ding ist. Mittlerweile habe ich das zu meinem Beruf gemacht. Ich glaube, es ist der schönste Job, den man sich vorstellen kann.“

„Das Wilde an der Natur spüren“
Christine Lang teilt Matthias‘ Haunholders Leidenschaft für das Skifahren abseits gesicherter Pisten: „Ich denke, je technisierter unsere Welt wird, umso mehr sucht man Abenteuer oder Wege zurück zur Natur. Je weiter man von einer Piste weg ist, je weiter man auch von einem geregelten Ablauf weg ist, desto mehr spürt man auch dieses Abenteuer, das Wilde an der Natur- und das ist schön.“ Christine Lang ist eine von nur rund 20 staatlich geprüften Bergführerinnen in Österreich. Demgegenüber stehen rund 2.000 männliche Bergführer. Sie leitet in Tirol regelmäßig Lawinencamps für Freerider und Tourengeher. Bei kostenlosen SAAC-Camps (Snow and Avalanche Awareness Camps) zeigt sie den Teilnehmern, worauf es abseits gesicherter Pisten ankommt.

Tirol als Paradies für Freerider
Alaska. Georgien. Kanada. In den vergangenen Jahren war Matthias Haunholder rund um den Globus unterwegs, immer auf der Jagd nach dem nächsten Powderturn. Zuhause ist er im beschaulichen Tiroler Ort Walchsee. Das erscheint auf den ersten Blick abwegig. Auf den zweiten Blick nicht: „Ich habe sechs Jahre in Innsbruck verbracht, weil ich da studiert habe. Dann habe ich meine Base wieder zurückverlegt nach Walchsee. Das ist einfach ideal, wenn man es logistisch betrachtet. Wenn ich zum Flughafen muss, um irgendwo nach Kanada oder Alaska in Amerika zu fliegen, dann bin ich in einer Stunde in München. In Innsbruck bin ich auch in weniger als einer Stunde und wenn es mal Salzburg sein muss, dann fahre ich auch nicht länger als eine Stunde.“

Im schneereichen Winter 2011/2012 verzichtete er ganz auf Fernflüge und drehte gemeinsam mit Kollegen in Österreich den Freeride-Film „Another Day in Paradise“: „Weil wir so einen super Winter hatten, hatten wir gar kein Verlangen, irgendwo anders hinzufahren. Wir sind am Arlberg die krassesten Lines gefahren, die du normalerweise in Alaska fährst. Wir haben in Fieberbrunn extrem gute Action abliefern können und einfach gesehen: Wir haben eigentlich echt ein ‚Paradise‘. Das ist schon genial und dadurch habe ich das jetzt wieder um einiges mehr schätzen gelernt.“

Neben dem Filmen fährt Matthias bei der Freeride World Tour mit, die weltweit sechs Stopps umfasst (Revelstoke, Courmayeur-Mont-Blanc, Chamonix-Mont-Blanc, Kirkwood, Fieberbrunn, Verbier).
2012 wählten die weltbesten Freerider den beliebtesten Tourstopp - das Rennen machte weder der weltweit bekannte französische Skiort Chamonix noch das Powderparadies Revelstoke in Kanada, sondern ein Geheimtipp im Herz der Alpen: Fieberbrunn im Tiroler Pillerseetal. Auch Matthias Haunholder hat fürs Pillerseetal gestimmt: „Die in Fieberbrunn machen echt einen super Job, da ist die Organisation so irre gut. Ich bin jetzt, seit es die Freeride World Tour gibt, schon dabei. Ich weiß, wie die Contests organisiert werden, welchen Aufwand das alles bedeutet. Wenn alle zusammenhelfen, wie in Fieberbrunn, dann funktioniert es eben sehr gut und das gefällt den Fahrern auch.“ Nachdem er den Contest 2012 verletzungsbedingt nur als Zuschauer erlebte, ist „Hauni“ am 9. März 2013 in Fieberbrunn wieder am Start - sofern alles nach Plan läuft.

Neue Freeride-Contests für „Rookies“
Einige junge, ambitionierte Freerider sind wie Matthias Haunholder in oder nahe Tirol zu Hause – sie wollen in seine Fußstapfen treten und es auch bis zur Freeride World Tour schaffen. Inzwischen gibt es zahlreiche Contests in Tirol, über die sie Punkte für die Freeride World Tour sammeln können. „Open Faces Freeride Series“ heißt beispielsweise eine Reihe von sechs Freeride-Contests, bei denen sich „Rookies“ beweisen dürfen. Vier dieser Contests finden 2013 erstmals in Tirol statt (Axamer Lizum, Fieberbrunn, Kappl, Stubaier Gletscher).

„Wir in Tirol speziell haben so viel Potential, Freeride-Contests zu veranstalten, aber das wird noch viel zu wenig genutzt,“ sagt Irene Walser, Medienbeauftragte der Open Faces Freeride Series. „Wir wollen Skifahrern wie Snowboardern die Möglichkeit bieten, in Qualifikations-Events Punkte zu sammeln. Damit können sie ihren Weg je nach Können, Siegen und Punkten, die sie sammeln, bis in die Freeride World Tour machen.“

Freeride-Camps und Lawinenkurse – nicht nur für Einsteiger
In Freeride-Camps gibt Matthias Haunholder sein Wissen an Freeride-Einsteiger genauso wie angehende Freeride-Profis weiter: „Die brennendste Frage der Kids ist, ob ich schon mal in einer Lawine war. Richtig große Lawinen konnte ich zum Glück bis jetzt vermeiden, aber ein paar kleine Rutscher haben mich schon ab und zu ein bisschen runtergespült. Es ist zum Glück alles positiv ausgegangen, dank der Vorbereitung.“

Sich gut vorbereiten und Lawinen möglichst vermeiden – das ist das Um und Auf für alle, die sich auf die Suche nach frischem „Powder“ begeben. Bergführerin Christine Lang empfiehlt daher auch erfahrenen Freeridern und Tourengehern, Lawinenkurse zu besuchen. „Ein Anfänger, der einen Lawinenkurs besucht und sich an gewisse Regeln bzw. Entscheidungsstrategien hält, ist zum Teil sicherer am Weg als ein Freerider, der sich nur auf seine Erfahrung oder Intuition verlässt. Eine Lawine ist ein seltenes Ereignis- ich bekomme kaum ein negatives Feedback- lerne also nicht wie in anderen Bereichen durch Erfahrung dazu.“
Bei entsprechender Vorbereitung und richtiger Risiko-Einschätzung winken Freeridern einzigartige Erlebnisse. „Es macht Spaß, es ist Abenteuer, es ist spannend und oft ist man an wunderschönen Plätzen, oder irgendwelchen Tälern, in die man sonst nicht kommen würde,“ sagt Christine Lang.

„Es boomt in alle Richtungen“
Freeriden findet immer mehr Anhänger – nicht nur unter Jugendlichen. Matthias Haunholder erzählt von seinem letzten Klassentreffen: „Ich habe meinen alten Trainer von anno dazumal getroffen – der ist jetzt auch mit fetten Powderskiern unterwegs und dem gefällt es auch ganz irre - man sieht, es boomt in alle Richtungen.“

MG

Bilder zur Presseinformation

  • © FWT / Sebastian Marko © FWT / Sebastian Marko

    Impressionen von der Freeride World Tour in Fieberbrunn

  • © Skilifte Hochfügen © Skilifte Hochfügen

    Sich gut vorbereiten und Lawinen möglichst vermeiden – das ist das Um und Auf für alle, die sich auf die Suche nach frischem „Powder“ begeben.

  • © Mirja Geh © Mirja Geh

    Freeride-Profi Matthias "Hauni" Haunholder ist in Walchsee zuhause und von Anfang an bei der Freeride World Tour dabei.

  • © Sepp Mallaun © Sepp Mallaun

    "Wir sind am Arlberg die krassesten Lines gefahren, die du normalerweise in Alaska fährst." Im Rekordwinter 2012 gelang "Hauni" eine bereits länger geplante Befahrung dieses extremen "Faces" in St.Anton am Arlberg.