Skitouren: Für sportliche Aufsteiger und alle, die es werden wollen

Wer die Tiroler Bergwelt im Winter einmal anders erleben will, ist beim Skitourengehen genau richtig. Von der magischen Nachttour entlang der Piste bis zur mehrtägigen Hüttenskitour sind die Möglichkeiten vielfältig. Ortskundige Profis helfen Anfängern beim sicheren Einstieg ins Tourengehen.

Skitour auf den Wurmkogel
Skitour auf den Wurmkogel ©Ötztal Tourismus / Bernd Ritschel

„Auf einer Skitour vereinen sich zwei Seiten des Tiroler Winters zu einem einzigartigen Erlebnis“, beschreibt Gabriel Geiger von der Skischule Fiss-Ladis. „Da ist der sportliche Aspekt: sich langsam in die Höhe zu arbeiten, die Lungen voller Bergluft, der Kreislauf in Schwung – ein so vollbrachter Gipfelsieg ist für das Ego natürlich eine tolle Bestätigung. Und da ist die Natur, die beeindruckende Alpenlandschaft, die Ruhe über dem Horizont. Wer die Berge liebt, dem geht dabei automatisch das Herz auf.“

Wichtig beim Tourengehen ist für den erfahrenen Skilehrer das richtige Tempo. „Unsere Guides stellen bei Neulingen immer wieder fest, dass diese zu schnell in den Aufstieg starten. Dann verlässt einen aber mitten im Hang die Kraft, was natürlich auch den Spaß verdirbt. Daher achten wir immer aufmerksam darauf, dass die Geschwindigkeit zur geplanten Route passt.“

Einsteiger lädt Gabriel Geiger jeden Donnerstag zur geführten „Schmugglertour“ vom Skigebiet Fiss-Ladis hinüber Richtung Samnaun. Zwei kurze Anstiege eröffnen ausgedehnte Tiefschneehänge inmitten der imposanten Hochgebirgslandschaft. „Bei dieser Skitour investiert man ein wenig Kraft – Grundkondition genügt – und wird belohnt mit einem grandiosen Sport- und Naturerlebnis. Und keine Angst vor dem Tiefschnee – wer einen guten Parallelschwung fährt, kommt nach der Einführung durch den Skiführer auch in diesem Gelände rasch zu recht.“

Ebenfalls bestens geeignet für Anfänger ist das Urgtal, wohin die Profis der Skischule Fiss-Ladis jeden Dienstag führen (ab drei Teilnehmer). Wer der Faszination Skitouren näher kommen will, hat in dem Hochtal traumhafte Möglichkeiten.

Natur pur beim Skitourengehen in Osttirol
In die richtige Skitourentechnik reinschnuppern können Interessierte auch im Villgratental. Hannes Grüner und sein Team von der Bergschule Alpin Aktiv Hochpustertal führt nach Anmeldung von Dezember bis April einmal pro Woche Kleingruppen zu den schönsten Plätzen des Osttiroler Tourenparadieses. „Natürlich wählen wir die Ziele nach der Erfahrung der Teilnehmer aus“, sagt Bergführer Hannes Grüner. „Schließlich wollen wir Anfänger nicht überfordern, sondern langsam an diesen wunderschönen Sport heranführen.“ Der optimale Krafteinsatz beim Aufstieg steht an diesem Schnuppertag ebenso auf dem Programm wie das Fahren im unpräparierten Schnee, „das braucht zwar bisschen Übung, wer den Stemmschwung beherrscht, bekommt mit unseren Tipps aber rasch ein Gefühl für diesen Untergrund“.

Wer vom Tourenfieber gepackt wurde, kann sich im fünftägigen Grundkurs noch mehr mit der Theorie beschäftigen – und erst recht mit der Praxis. „Tourenplanung, Orientierung, sichere Spuranlage und Umgang mit dem Verschütteten-Suchgerät gehören zum Basiswissen eines risikobewussten Skitourengehers dazu“, erläutert Grüner. „Aber die beste Methode, sich dieses Know-how anzueignen, ist natürlich bei der angeleiteten Anwendung in der unberührten Landschaft.“ Deshalb freue er sich immer besonders, wenn er eine Skitourengruppe zu einem der vielen verzauberten Plätze Osttirols führen darf. „Das sind einfach 360 Grad Natur pur.“

Nächtliche Pistentour: auf die Sunnalm in der Tiroler Zugspitz Arena
Zum Aufstieg auf den Marienberg lädt die Tiroler Zugspitz Arena jeden Donnerstag in Biberwier. Ausgestattet mit den richtigen Tourenskiern und Stirnlampen geht es voran, Zug um Zug, Kurve um Kurve, der Piste entlang. Gestartet wird bei der Talstation der Marienbergbahn. Von hier aus legen Tourengeher 630 Höhenmeter zurück, umgeben von der glitzernden Winterlandschaft. Ziel der rund zweistündigen Tour ist die Sunnalm. In dem Bergrestaurant kann man es sich in uriger Atmosphäre mit Tiroler Spezialitäten gut gehen lassen, vielleicht auch mit einem Stamperl Schnaps. Zu mehr sei nicht geraten, schließlich wartet ja noch die nächtliche Abfahrt über den Schnee.

Sicher unterwegs – Know-how fürs Gelände
Bewusstsein zu schaffen, wie sich Sportler auch abseits der Pisten mit größtmöglicher Sicherheit im alpinen Raum bewegen können, das haben sich die Snow and Avalanche Awareness Camps (SAAC) zum Ziel gesetzt. Erfahrene Bergführer, als Aktivsportler selbst mit dem Gelände vertraut, touren die ganze Saison durch Tirol. Sie bieten in zweitägigen kostenlosen Workshops viel Information rund um Schnee, Wetter und die passenden Risikominderungsstrategien. Dabei kommt auch die Praxis – beispielsweise mit dem Lawinenverschüttetensuchgerät – nicht zu kurz. Wer nach ersten Pistentouren den nächsten Schritt plant – die SAAC-Camps ermöglichen die richtige Vorbereitung.

Trockentraining der interaktiven Art bietet der Tourenplaner auf www.mc2alpin.at. Hier können Interessierte über 100 Skitouren in Tirol durchspielen, angefangen vom aktuellen Wetter über den Ausrüstungscheck bis hin zur Einschätzung der Schlüsselstellen. Vor allem Anfänger entwickeln dadurch ein erstes Gespür für die Bewegung im Tiroler Naturraum – mit der richtigen Portion bewusster Sicherheit.

Wer sich in der Theorie sattelfest fühlt, kann sich am Tourenlehrpfad zur Lampsenspitze im Sellraintal bei Innsbruck praktisch beweisen: Auf sechs großen Schautafeln entlang der Tour warten Übungen, wie das Wissen vor Ort angewendet werden soll.

Von der Abend- bis zur Rundtour – vielfältige Möglichkeiten in den Kitzbüheler Alpen
Einsteigen leicht gemacht: im Großraum der Kitzbüheler Alpen stehen für abendliche Skitouren drei Pisten zur Verfügung. Gerade Anfänger können sich hier langsam an den Sport herantasten, ohne sich über Tiefschnee und Lawinen zu sehr den Kopf zerbrechen zu müssen. Die Harschbichltour bei St. Johann in Tirol führt entlang der Piste 1a 600 bis 900 Meter in die Höhe, je nachdem ob man die Angerer Alm oder die Harschbichlhütte anpeilt. Für die spätere Abfahrt ist die Piste Jodlalm  jeden Tag ab 17 Uhr frisch präpariert.

Aufstieg pur ist bei Kitzbühel möglich: Wer nach seiner Tour entlang der Astenabfahrt keine Lust mehr auf Schwünge talwärts hat, kann jeden Freitag bis 23 Uhr die Hahnenkammbahn nutzen. Selbstverständlich können Tourengeher aber auch wieder den Weg zurück carven, den sie sich zuvor auf sportliche Weise erarbeitet haben.

Tag- und mit der richtigen Ausrüstung Nacht-Skitouren unternehmen können Ambitionierte auf der Bichlalm. Hier gibt es keinen Lift, aber trotzdem präparierte Pisten. Die Gipfeljause auf dem Stuck- oder Hochetzkogel nehmen viele selbst mit, da hier keine Hütte geöffnet ist. Andere kehren nach der Abfahrt im Sonnbergstüberl oder im Gasthof Oberaigen ein.

Auf erfahrene Tourengeher wartet in den Kitzbüheler Alpen ein besonderes Schmankerl. Die viertägige Rundtour - möglich von Ende Januar bis Ende April - vereint Ruhe und Abgeschiedenheit, tolle Aussichten und sportliches Vergnügen. Wer alle Aufstiege und Abfahrten zwischen Steinberghaus und Neuer Bambergerhütte absolviert, kann insgesamt auf 4.816 überwundene Höhenmeter zurückblicken – und neben urigen Hüttenabenden auf ein unvergessliches Naturerlebnis.

Tourengehen im Zillertal: Zahlreiche Ziele für Anfänger und Profis
Im aktivsten Tal der Alpen können auch Skitourensportler aus dem Vollen schöpfen. So laden die Guides von Bergsport Zillertal in Finkenberg jeden Freitag von Dezember bis April zur Schnuppertour für Ski bzw. Snowboard. Je nach Schnee- und Wetterlage werden verschiedene Gipfel angesteuert, die zwei- bis dreistündigen Anstiege führen über sanfte Hänge und durch romantische Winterwälder, die Abfahrten dann mehrere hundert fantastische Höhenmeter zurück ins Tal.

Auch rund um Gerlos und Zell am Ziller wartet ein abwechslungsreiches Angebot an möglichen Skitouren. Tipp für Anfänger: ein Aufstieg auf den Gerlosstein zur Arbiskogelhütte. Hier ist jeden Mittwoch gemütlicher Hüttenabend. Genau das richtige, um nach der wechselhaften Strecke aus flacheren und steileren Stellen wieder Energie zu tanken. Abfahren können Tourengeher dann auf der frisch präparierten Piste.