Tirol inspiriert Filmtouristen

Film- und Fernsehproduktionen bringen neue Gäste nach Tirol. Sie lassen sich von den Tiroler Drehorten und Kulissen bekannter Filme und Serien wie „Bergdoktor“ oder „Die fetten Jahre sind vorbei“ zu einer Reise ins Herz der Alpen inspirieren. Wesentlichen Anteil daran hat die Cine Tirol Film Commission. Seit 15 Jahren verknüpft sie Filmproduktionen und Tourismus in Tirol erfolgreich miteinander.

Karin Kofler (Kristina Sprenger) und Lukas Roither (Jakob Seeböck) sind die Ermittler in der TV-Serie "SOKO Kitzbühel".
Karin Kofler (Kristina Sprenger) und Lukas Roither (Jakob Seeböck) sind die Ermittler in der TV-Serie "SOKO Kitzbühel". ©Beo Film

Vom Film zum Urlaub
40 Millionen Menschen weltweit reisten 2012 in ein bestimmtes Land, weil sie es in einem Film oder im Fernsehen gesehen hatten (Quelle: TRAVELSAT© Competitive Index). Johannes Köck erkannte dieses touristische Potential von Filmproduktionen bereits 1998, als er im Auftrag der Tirol Werbung und dem Land Tirol die Cine Tirol Film Commission aufbaute. Für Reisen auf den Spuren von Filmproduktionen verwendet er die im Englischen gebräuchliche Bezeichnung „set jetting“.
Das eindrucksvollste filmtouristische Beispiel sind zahlreiche indische Filmproduktionen, die in Tirol entstanden. Indien hat die größte Filmindustrie der Welt - über 1.000 Spielfilme produziert Bollywood jedes Jahr. Von insgesamt knapp 400 Filmprojekten, die Cine Tirol seit 1998 nach Tirol geführt hat, waren über 70 aus Indien. Nicht zuletzt deshalb stieg die jährliche Nächtigungszahl indischer Touristen in Tirol zwischen 1998 (6.778 Nächtigungen) und 2012 (55.471 Nächtigungen) um über 718 Prozent. Mittlerweile gibt es spezielle Touren für indische Gäste auf den Spuren ihrer Filmstars. „Dieser Erfolg freut uns sehr,“ sagt Köck. „Es ist uns nachweislich  gelungen, Tirol auch in Indien als führendes Filmproduktionsland der Alpen zu positionieren; aus diesem Grund sehen wir der Fortsetzung  dieser filmischen  Liebesbeziehung  zwischen Indien und Tirol  mit großer Vorfreude entgegen.“

„Sucht ihr Komparsen?“
Schauspielen im Urlaub – so weit geht die Begeisterung mancher Filmfans, wie Johannes Köck erzählt. Da passiere es schon mal, so Köck, dass eine Dame anfragt, ob sie während ihres nächsten Tirol Urlaubs beim „Bergdoktor“ oder anderen Film- und Fernsehproduktionen als Komparsin mitwirken dürfe.
Die beliebte, deutschsprachige Fernsehserie „Der Bergdoktor“ hat ihre Wurzeln in Wildermieming - einem kleinen, idyllischen Ort auf 872 m Seehöhe. Sein Haus, das Hauptmotiv der ersten Bergdoktor-Staffel, errichteten die Serienmacher 1992 als Kulisse auf einem Hügel nördlich von Wildermieming.  Nach Abschluss der Dreharbeiten im Jahr 1998 blieb es stehen. Direkt am „Bergdoktorhaus“ vorbei  führt ein Radweg, der sich von Telfs über Wildermieming bis ins Gurgltal erstreckt. 2008 übersiedelte der Bergdoktor - die zweite Staffel der TV-Serie spielt am Wilden Kaiser. Fans der erfolgreichen Fernsehserie nehmen dort an Filmwanderungen Teil und haben die Möglichkeit, den Hauptdarsteller Hans Sigl persönlich kennen zu lernen.

Von der Almhütte nach Cannes
„Die fetten Jahre sind vorbei“ nahm 2004 als der erste deutschsprachige Film seit 1993 beim Filmfestival in Cannes am Wettbewerb um die Goldene Palme teil. Im Film des österreichischen Regisseurs Hans Weingartner brechen Jan (Daniel Brühl) und Peter (Stipe Erceg) nachts in Villen ein. Nicht, um zu stehlen, sondern um das Mobiliar auf den Kopf zu stellen. Sie hinterlassen Botschaften wie "Die fetten Jahre sind vorbei" oder "Sie haben zu viel Geld" am Badezimmerspiegel - unterzeichnet mit "Die Erziehungsberechtigten". Bei einem ihrer Einbrüche überrascht sie der Geschäftsmann Justus Hardenberg (Burghart Klaußner). In einer Kurzschlusshandlung schlagen sie ihn bewusstlos und entführen ihn auf eine entlegene Almhütte hoch über dem Tiroler Achensee. „Eine erfrischende, glänzend gespielte Anti-Globalisierungskomödie“ schrieb die Frankfurter Rundschau in ihrer Filmkritik. Aus touristischer Sicht erfrischend war die Idee der Tirol Werbung, Hauptdarsteller Daniel Brühl 2010 als Botschafter der Tiroler Bergwelt zu engagieren. Er gab Interviews, stand Modell für Fotoshootings und Fans erkundeten mit ihm gemeinsam Tirols bekanntesten Weitwanderweg, den Adlerweg.

Themenweg zur Traumfabrik
Am 14. August 1947 feierte der erste österreichische Nachkriegsfilm Weltpremiere in Wien – „Die Wintermelodie“, ein Film, der im kleinen Tiroler Dorf Thiersee entstanden war. Bis zum Jahr 1952 drehten  internationale Produktionsfirmen aus Österreich, Deutschland, Frankreich, England und der Schweiz 18 Spielfilme im Filmatelier in Thiersee. Darunter waren weltbekannte Filme wie „Das Doppelte Lottchen“ nach Erich Kästner, oder „Blaubart“ und „Maria Chapdelaine“. Später entstand in „Klein-Hollywood“, wie das Dorf heute noch liebevoll bezeichnet wird, Tirols erstes Filmmuseum. 2009 eröffnete zusätzlich der Themenweg „Tiroler Traumfabrik“ rund um den Thiersee. Er bietet Besuchern die Möglichkeit, Thiersee und seine Filmgeschichte spielerisch kennenzulernen.

Kinotickets an der Rezeption
Die Bedeutung von Filmgeschichte(n) haben auch Hotels erkannt. Auf Initiative von Markus Bochdansky (Hotelier des „Hirschen“ in Längenfeld) führt Robert Bäuchl (Edelstatist, Kinderbuchautor, „G‘schichtenerzähler“) die Busgäste des Hotel Hirschen in Längenfeld von Obergurgl und Vent über Umhausen bis nach Wildermieming und besucht mit ihnen unter anderem die Drehorte von „The Mountain Eagle“ (Alfred Hitchcock, 1927), „Apollonia“ (Bernd Fischerauer, 2005) und „Der Bergdoktor I“ (Ulrich König, Wolf Dietrich, 1992-1998).
Gäste des Posthotels Achenkirch bekommen Kinotickets an der Rezeption, denn der Fernsehfilm “Agathe kanns nicht lassen: Alles oder nichts” (2004, Helmut Metzger) entstand dort. Zweimal wöchentlich spielt der Film im hoteleigenen Kinosaal.

Wer war der Mörder?
Dieser Frage gehen die Ermittler Karin Kofler (Kristina Sprenger) und Lukas Roither (Jakob Seeböck) als Ermittlerteam in der TV-Serie „SOKO Kitzbühel“ bereits seit 2001 nach. Jeden Dienstag im August und September können Gäste der Tourismusregion Kitzbüheler Alpen auf den Spuren einer der erfolgreichsten Krimi-Serien Österreichs wandeln.  

Landkarten für Cineasten
Mittlerweile rangieren die Kitzbüheler Alpen unter den beliebtesten Kulissen für Film- und Fernsehproduktionen in Tirol. Interessierte können mit einer Movie Map via Internet herausfinden, welche Filme und Serien an welchen Orten der Kitzbüheler Alpen spielen.
Für ganz Tirol listet die Cine Tirol Movie Map Drehorte ausgewählter Filmproduktionen von 1926 bis heute - inklusive Filminhalt, Produktionsfirma, Regisseur/in, Schauspieler/innen, Kamera, Szenenbild und Hinweis auf den jeweiligen Drehort.

Zahlen und Fakten

  • Am 1. April 1998 wurde die Cine Tirol Film Commission gegründet.
  • 400 Filmproduktionen aus dem In- und Ausland führte Cine Tirol zwischen 1998 und 2012 nach Tirol.
  • 2012 fanden 490 Drehtage mit Unterstützung von Cine Tirol statt.  
  • Die Ausstrahlungen von Filmprojekten „made in Tirol“ erbrachten 2012 eine Gesamtquote von über 220 Millionen Zusehern allein im deutschsprachigen Raum.
  • Für 2012  konnten über 6,5 Millionen Euro als wirtschaftlicher Effekt für Tirol nachgewiesen werden. Dazu zählen produktionsbedingte Ausgaben für Unterkunft, Verpflegung, Transport und Motivmieten in den Tiroler Regionen sowie Gagen für heimische Filmschaffende.
  • 2013 starten Cine Tirol und Tirol Werbung gemeinsam mit mehreren Tourismusverbänden das filmtouristische Projekt „TIROLLYWOOD – Filmland Tirol“.

Nähere Informationen auf www.cinetirol.com

Bilder zur Presseinformation

  • © Beo Film © Beo Film

    Karin Kofler (Kristina Sprenger) und Lukas Roither (Jakob Seeböck) sind die Ermittler in der TV-Serie "SOKO Kitzbühel".

  • © Mountain Film © Mountain Film

    Für den Kinofilm "Autumn Blood" wurde im Ötztal, im Lechtal und in der Tiroler Zugspitzregion gedreht.

  • © SK Film Roxy Film © SK Film Roxy Film

    "Die Hebamme - Auf Leben und Tod" ist eine deutsch-österreichische Fernseh-Produktion aus dem Jahr 2009.

  • © epo Film © epo Film

    Szene aus Tatort-Folge "Lohn der Arbeit" mit Harald Krassnitzer (li. im Bild), Regie führte der Tiroler Erich Hörtnagl.