Mitten im Hochsommer beginnt der nächste Winter
Aktualisiert am 20.10.2026 | Tannheimer Tal
Zum Start in den Winter 2026/27 geht im Tannheimer Tal eine neue Beschneiungsanlage in Betrieb. Sie bringt gezielt Schnee für Talabfahrt, Anfängerbereich, Verbindungen und Loipen. Gefeiert wird der Saisonstart beim Winteropening vom 11. bis 13. Dezember 2026.

Auf den Almen klirren die Gläser, die Wanderschuhe stauben, im Bergsee glitzert das Wasser. An Schnee denken hier nur wenige. Und doch dreht sich hinter den Kulissen bereits alles um den Winter. Denn während die Gäste den Bergsommer auf der Sonnenalm genießen, arbeiten die Bergbahnen Tannheimer Tal längst an der nächsten Saison. „Im Frühjahr und Sommer läuft die komplette Revision. Dazu kommen Arbeiten am Berg – Pisten instand setzen, Entwässerungen kontrollieren, Wege richten“, erklärt Martin Leutner, Betriebsleiter der Bergbahnen. „Der Hochsommer ist die anstrengendste Zeit für unsere Wintervorbereitung.“
Das größte Projekt in diesem Sommer: Am Füssener Jöchle in Grän wurde die Beschneiungsanlage umfassend erneuert und erweitert. Der Schnee soll künftig gezielt dorthin kommen, wo Wintersportfans und Familien ihn brauchen: Auf die Talabfahrt nach Grän, in den Anfängerbereich, auf die Verbindungen im Gebiet und die Langlaufloipen. Ihren ersten Einsatz hat die Anlage zum Winteropening vom 11. bis 13. Dezember 2026. Aber Michael Schuster, Geschäftsführer der Bergbahnen Tannheimer Tal, macht deutlich: „Eine Beschneiungsanlage garantiert keinen Winter. Sie sichert den Saisonstart ab, sie stabilisiert die Kernzeit, und sie macht uns planbar für den Gast.“
Wie moderne Technik den Winter planbarer machen soll
Am Füssener Jöchle wird seit über zwanzig Jahren beschneit. Die bisherige Anlage stammt aus dem Jahr 2001 und hat zuverlässig gearbeitet. Aber die klimatischen Bedingungen haben sich verändert. „Wenn wir ein Kältefenster von drei Nächten haben, müssen wir es voll ausnutzen können“, weiß Schuster. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel von Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Ist die Luft trocken, entsteht Schnee schon knapp unter null. Ist sie feucht, braucht es deutlich mehr Minusgrade. Stimmen die Bedingungen zählt vor allem eines: Tempo und Menge. Deshalb wurde nicht nur die Anlage erneuert, sondern auch ein neuer Speicherteich angelegt. Statt bisher 15.000 fasst das Becken jetzt 43.000 Kubikmeter Bergwasser aus der Region. Ein Großteil davon soll im Frühjahr als Schmelzwasser wieder in den natürlichen Wasserhaushalt zurückkehren und das Becken wieder füllen. Der eigentliche Fortschritt liegt aber woanders: „Wichtiger als die reine Schneemenge ist der Effizienzsprung. Wir haben beim Testival 2025 verschiedenste Bescheinungsmittel getestet. Dabei hat sich gezeigt, dass die neue Anlage gegenüber der Alten den Stromverbrauch pro Kubikmeter Schnee um rund 50% senken konnte“, erklärt Schuster. Aus diesem Zusammenspiel entsteht der eigentliche Gewinn: Planbarkeit. Beschneit wird nicht die ganze Saison über, sondern am Anfang des Winters, wenn die Grundlage gelegt wird. Wer im September bucht, soll mehr Planungssicherheit für den Winterurlaub bekommen. Und auch die Vermieter und Betriebe im Tal können verlässlicher kalkulieren.
Vielfalt statt Pistenkilometer
Das Tannheimer Tal überzeugt aber auch durch die neue Anlage nicht mit Pistenkilometern, sondern mit einem breiten Angebot für alle Wintersportfans – besonders für die Kleinsten und Anfänger. „Wir bringen den Schnee dorthin, wo ihn die meisten brauchen“, erklärt Beschneier Maximilian Wagner. Gemeint sind die Talabfahrt nach Grän, der Anfängerbereich für die Skischulen, die Langlaufloipen und die Verbindungen im Skigebiet Füssener Jöchle. Sie liegen tiefer und hatten in der Vergangenheit mit Knappheit zu kämpfen. Genau das soll die Anlage in Zukunft aber verhindern und schafft auch im Talbereich eine stabilere Grundlage für den gesamten Winter. Das erste Mal auf Skiern, das Lachen nach dem ersten Bogen, das Bremsen in den Armen der Eltern: Solche Momente bleiben. Genau hier macht das Tannheimer Tal den Unterschied. Allerdings soll die neue Beschneiungsanlage nicht nur den Winter und das Opening sichern, sondern das Ganzjahresangebot der Region erweitern. „Eine Investition, die nur vier Monate im Jahr etwas bringt, kann sich ein Tal wie unseres gar nicht leisten“, sagt Schuster. Gemeinsam mit dem Tourismusverband und der Gemeinde Grän prüfen die Bergbahnen, ob und wie sich der Speicherteich künftig auch im Sommer nutzen lässt. Konkrete Pläne dazu werden derzeit erarbeitet. „Damit hätten wir Angebote, die im Winter und im Sommer funktionieren, und zwar auch für Gäste, die gar nicht Ski fahren. Wir bauen also nicht nur ein Skigebiet aus, sondern entwickeln ein Ganzjahresangebot“, sagt Schuster. Diese Vielfalt geht über die Gemeinde Grän hinaus und umfasst auch die anderen Teile des Tannheimer Tals, wo neue Attraktionen im Bereich Rodeln und Biken in Planung sind.
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