45. Ötztaler Radmarathon: Tag der Rekorde, Träume erfüllt

Aktualisiert am 30.08.2026 | Ötztal

Die 45. Auflage des Ötztaler Radmarathons ging in die Geschichtsbücher ein: Neue Streckenrekorde durch die mittlerweile Vierfachsiegerin Janine Meyer und Jack Burke. Der Kanadier widmete seinen dritten Triumph seiner Freundin Melanie, der er nach der Zieleinfahrt einen Heiratsantrag machte. Und sie sagte: Ja! Beste Österreicherin wurde die Vorarlbergerin Melanie Geiger als starke Dritte.

Start beim ÖRM 2026 © Ötztal Tourismus – Jakob Zeller

4.271 Radsportbegeisterte aus 38 Nationen stellten sich heute dem 45. Ötztaler Radmarathon. 227 Kilometer, 5.500 Höhenmeter und vier Alpenpässe führten von Sölden über Kühtai, Brenner, Jaufenpass und Timmelsjoch zurück ins Ziel nach Sölden. Was 1982 als Abenteuer begann, ist heute längst ein Mythos und ist geprägt von sportlichen Höchstleistungen, großen Emotionen und persönlichen Geschichten. Wie stark sich der Ötztaler Radmarathon dabei weiterentwickelt, zeigt auch das Frauenfeld: Es gingen mehr als 431 Frauen an den Start. Das sind erstmals über 10% Anteil am Gesamtstarterfeld.

Spannung an der Spitze

Gleich acht ehemalige Sieger:innen nahmen den Ötztaler Radmarathon erneut in Angriff. Doch der Mythos lebt nicht nur von Bestzeiten und Siegen, sondern vor allem von jenen, die nach vielen Stunden im Sattel ihren ganz persönlichen Traum vollenden. „Die wahren Helden sind aber die zahlreichen Träumer, die erst viele Stunden nach den Schnellsten ins Ziel kommen. Sie machen den Mythos des Ötztaler Radmarathons aus. Darunter hatten wir heuer 26 Teilnehmer, die bereits mehr als 20. Mal am Start standen. Herausragend dabei der in Graz lebende Tiroler Martin Strobl, der mit seinen 81 Jahren seinen 36. Ötztaler Radmarathon bestritt“, freuten sich die OK-Chefs Heike Klotz und Dominic Kuen.

Federspiel riskiert viel

Im Rennen der Herren brachte der erste Anstieg aufs Kühtai die erste Entscheidung, als sich rund 15 Fahrer mit allen Top-Favoriten absetzen konnten. Gemeinsam passierten sie den Brennerpass und am Fuße des Jaufenpasses setzten sich der zweifache Sieger Jack Burke und der ehemalige WorldTour-Profi Toni Palzer ab. Palzer konnte dem hohen Tempo von Burke nicht folgen und überquerte die Passhöhe mit etwas mehr als einer Minute Rückstand, Vorjahressieger Daniel Federspiel nahm die Abfahrt nach St. Leonhard mit zwei Minuten Rückstand in Angriff. Mit einer waghalsigen Abfahrtsleistung holte „Feder“ Toni Palzer ein und gemeinsam bestritten sie eine knappe Minute hinter Burke das Timmelsjoch.

Schönster Tag im Leben des Jack Burke

Im Vorjahr attackierte Jack Burke am Jaufenpass und wurde am Timmelsjoch doch noch von Daniel Federspiel gestellt. Genau dieses Szenario drohte auch heute, als Federspiel nur noch wenige Meter hinter Burke lag. Doch der gebürtige Kanadier ließ heuer nichts anbrennen und verschärfte erneut das Tempo. Als Solist passierte er das 2.474 Meter hohe Timmelsjoch und fuhr schließlich einem ungefährdeten dritten Sieg entgegen. Und das mit einem fulminanten Streckenrekord von 6:29:21,2. Damit unterbot er die bisherige Bestzeit des Vorarlbergers Mathias Notheggers (6:47:02,3 Stunden) deutlich. Gleich die besten sechs Männer unterboten Notheggers Rekord, das zeigt wie schnell das Rennen heute war.

Heiratsantrag des Kanadiers

Die zahlreichen Besucher:innen im Zielraum staunten über die Leistungen der Spitzenfahrer, noch mehr allerdings über den spontanen Heiratsantrag von Jack Burke an seine Freundin. Den Ring trug er unter seinem Trikot: „Ich hatte den Heiratsantrag seit Februar geplant und nur einige Freunde wussten davon. Ich wollte diesen Sieg für meine Melanie holen. Jetzt stehe ich als dreifacher Sieger des Ötztaler Radmarathons und das mit Rekordzeit in Sölden. Das ist der beste Tag meines Lebens.“ Auch Daniel Federspiel jubelte über seinen zweiten Platz: „Jack war heute eine Nummer zu stark. Am Timmelsjoch kam ich ihm gefährlich nahe, aber dann hatte ich nichts mehr im Tank.“ Rang drei holte der ehemalige Weltcuprodler und Ötztaler Miguel Brugger, der sich im Ziel wie ein Sieger fühlte.

Toni Palzer mit gelungener Radmarathon-Premiere

Hinter dem italienischen Ex-Sieger Stefano Cecchini landete Ex-WorldTour-Profi Toni Palzer an der fünften Stelle: „Es war so brutal und die Jungs fahren so schnell. Kurz vor dem Jaufenpass habe ich attackiert und nur Jack ging mit. Diese Attacke habe ich dann bitter gebüßt.“ Auf die Frage, ob er wieder nach Sölden kommt: „Ich habe Blut geleckt, ich starte bestimmt wieder in Sölden. Die Stimmung entlang der Strecke war auch ein Traum.“ Hinter dem Italiener Luc Pierantozzi wurde der Osttiroler Alban Lakata Siebenter.

Frauenfeld auf Rekordkurs

Auch bei den Frauen setzte der Ötztaler Radmarathon 2026 neue Maßstäbe: Erstmals gingen mehr als 400 Frauen an den Start. Gleichzeitig stieg ihr Anteil erstmals auf über zehn Prozent. Zwei neue Höchstwerte, die die starke Entwicklung des Frauenfeldes der vergangenen Jahre unterstreichen.

Janine Meyer unschlagbar – vierter Sieg en Suite!

Wie in den vergangenen drei Jahren dominierte die Deutsche Janine Meyer von Beginn an das Geschehen. Auch ein Sturz in Innsbruck, wo sie mit ihrem Teamkollegen kollidierte, konnte sie nicht stoppen. Die Kölnerin, aktuell das Non plus Ultra in der internationalen Radmarathonszene, hielt ihre deutschen Landsfrauen Julia Jedelhauser und Eva Schien stets auf Distanz. Als Krönung für eine fantastische Leistung unterbot die 48-Jährige sogar noch ihren Streckenrekord aus dem Vorjahr mit einer Zeit von 7:15:46,2 Stunden um 7 Minuten: „Am Anfang war es ganz schön schnell. Ich dachte, hinten raus werde ich verlieren. Es war ein harter Tag. Es glaubt mir keiner, aber ich schaue von Berg zu Berg und nicht auf die Zeit. Der vierte Streckenrekord beim vierten Sieg ist ein Wahnsinn!“

Vorarlbergerin Geiger wird beste Österreicherin

Die Deutsche Eva Schien lag das ganze Rennen über an der zweiten Stelle und brachte dieses Ergebnis nach 7:28:10,3 Stunden auch ins Ziel. Am Timmelsjoch schaffte die Vorarlbergerin Melanie Geiger, zweifache Mama und bautechnische Zeichnerin, mit einer beherzten Leistung doch noch aufs Podest! Am Timmelsjoch überholte sie noch die Deutsche Julia Jedelhauser, die lange an der dritten Stelle lag. „Ich kann es gar nicht fassen, vor lauter Überwältigung habe ich im Ziel geweint. Meine Familie unterstützt mich, das ist phänomenal. Ohne diesen Support würde das nicht funktionieren“, jubelte Geiger in Sölden.

Wenn Spitzensportler selbst zu Träumern werden

Auch bekannte Namen aus dem internationalen Sport stellten sich der Herausforderung. Mit Werner Heel, Manfred Mölgg und Florian Scheiber waren zudem mehrere ehemalige Weltklasse-Skifahrer am Start. Scheiber nahm den Ötztaler bereits zum dritten Mal in Angriff und ist heute Trainer des norwegischen Weltcupteams. Ebenso startete erneut der ehemalige deutsche Radprofi Jörg Ludewig sowie der amtierende Ultracycling-Weltmeister Lukas Kaufmann. Von den Promis legte wieder einmal der Südtiroler Manfred Mölgg mit 7:25:48,0 Stunden und Gesamtplatz 89. die beste Zeit hin! „Es war wieder zach und schwierig. Heute habe ich echt einige Tränen in Sölden verdrückt, ich bin absolut zufrieden“, sagte Mölgg.

Ein Traum mit internationaler Strahlkraft

Teilnehmer:innen aus 38 Nationen stellten sich 2026 der Herausforderung, dabei waren Anreisen unter anderem aus Australien, Brasilien, Indonesien, Südafrika und den USA. Über 25.000 Bewerbungen für knapp über 4.000 Startplätze zeigen die internationale Anziehungskraft des Ötztaler Radmarathons und seine Bedeutung als touristischer Impulsgeber für die Region.

1.300 Menschen. Eine gemeinsame Verantwortung.

Über 1.300 Helfer:innen stehen hinter dem Ötztaler Radmarathon, davon sind viele ehrenamtlich und mit enormem persönlichem Einsatz. Sie sichern die Strecke, betreuen die Labestationen, koordinieren das Rennen und schaffen gemeinsam jene besondere Atmosphäre, die den ÖRM ausmacht.

Dieses Miteinander steht auch für die soziale sowie ökologische Verantwortung, die der Ötztaler Radmarathon übernimmt. Als Partner von Green Events Austria setzt die Veranstaltung auf Müllvermeidung, Mehrwegsysteme, regionale Partner, E-Mobilität und öffentliche Anreise. Auch der Bike4Help-Prolog gehört dazu: Sein Reinerlös unterstützt bedürftige Familien in Tirol. Heuer wurden 6.500€ gesammelt, somit wurden gesamt in den letzten 7 Jahren 35.000€ gespendet.

Sölden im Zeichen des Radsports

Bereits ab Freitag drehte sich in Sölden alles ums Rad. Der karitative Bike4Help-Prolog eröffnete das Rennwochenende, parallel präsentierte die Bike Expo „Ötztaler Sattelfest“ aktuelle Trends aus der Radsportwelt. Am Samstag folgten unter anderem der ÖRM Live Podcast und das Fahrerbriefing, bevor am Sonntag der 45. Ötztaler Radmarathon den sportlichen Höhepunkt bildete.

Der nächste Traum wartet

Nach dem 45. Ötztaler Radmarathon ziehen Heike Klotz und Dominic Kuen eine starke Bilanz – und richten den Blick bereits nach vorne:„Ein herzliches Dankeschön an unser Dream Team mit über 1.300 engagierten Helfer:innen, den treuen Sponsoren und allen Partnern, den unterstützenden Behörden in Österreich und Italien sowie der verständnisvollen Bevölkerung e ntlang der Strecke. Sie alle tragen dazu bei, dass der Mythos Ötztaler Jahr für Jahr nachhaltig noch stärker weitertransportiert wird – auch wieder beim ÖRM 2027 am 29.08.2027.“

Mehr Infos: www.soelden.com
Bilder: HIER

Kontakt
ANNA PIRCHER
anna.pircher@oetztal.com
T +43 57200 935

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