Gebete auf Knopfdruck

Die Wege des Herrn sind wundersam. Wundersam ist auch der Weg, den Josef Stoll eingeschlagen hat. Der Bergbauer hegt nämlich ein unübliches Hobby. Hoch oben auf dem Reither Kogel hat er sich eine Rosenkranzkapelle gebaut. Die gilt heute als Geheimtipp unter Gläubigen und mit seinem "Rosenkranz-Automat" eine Besonderheit. Der funktioniert im Prinzip wie eine Jukebox, die auf Knopfdruck Rosenkränze abspielt.

Bergbauer Josef Stoll hat sich mit seiner Rosenkranzkapelle einen lang gehegten Traum erfüllt.
Bergbauer Josef Stoll hat sich mit seiner Rosenkranzkapelle einen lang gehegten Traum erfüllt. ©Grießenböck

Reith im Alpbachtal - An einem Wochentag um die Mittagszeit. Ein monotoner Sprechchor tönt aus dem Inneren der kleinen Kapelle. Josef Stoll spricht die meditativen Sätze vor, ein gutes Dutzend Gläubige tun es ihm nach. Es ist Zeit für den Rosenkranz, der hier täglich gebetet wird - und das seit 17 Jahren. Die Rosenkranzkapelle liegt auf 1.100 m Seehöhe mit herrlichem Blick auf das Alpbachtal und das Inntal. Beim Betreten ist man geradezu fasziniert von den vielen sakralen Kunstwerken mit denen Josef das Gotteshaus liebevoll gestaltet hat. Zwischen all den Statuen und Gemälden sticht ein metallener Kasten besonders hervor. Es ist ein „Rosenkranzautomat“, der im Prinzip wie eine Jukebox funktioniert. Der Automat kann vier verschiedene Rosenkränze abspielen. Im Gespräch mit dem heute 62-jährigen merkt man, dass der Vollerwerbsbauer den Himmel im Herzen und beide Beine fest am Boden. Aber wie kam Josef Stoll zu dieser Kapelle? 

„Für mich ist sie stellvertretend für den Kompromiss, den ich in meinem Leben eingegangen bin“, erzählt er. Denn zum Bauern fühlte er sich nie berufen. Als ältester Sohn musste er schon früh auf Wunsch der Eltern den „Blaikenhof“ übernehmen. „Ich spürte damals ganz stark die Berufung, in ein Kloster zu gehen. Ich wollte unbedingt mein Leben in den Dienst des Herren stellen.“ Den Eltern zuliebe entschied er sich trotz innerer Kämpfe für den weltlichen Weg. Josef fand andere Wege um seiner spirituellen Berufung folgen zu können. „Der Herrgott hatte eben einen größeren Auftrag für mich“, lacht Josef. Deshalb begann er 1976, als 17-jähriger Jungbauer, mit dem Bau eines Bildstocks, den er immer weiter ausbaute. Oft arbeitete er bis spät in die Nacht. „Damals habe ich viele Freunde verloren, im Dorf haben sie mich einen Spinner genannt und ausgelacht“, erinnert er sich. Neben dem Bildstock entstand die Kapelle, die heute 6.000 Pilgern im Jahr einen Ort der Stille bietet. 

Seit das älteste seiner drei Kinder den Hof übernommen hat, bleibt Josef mehr Zeit, um sich um seine „Gemeinde“ zu kümmern. Wenn Josef und seine Frau Maria täglich den Rosenkranz beten, kommen an manchen Tagen bis zu 100 Menschen, um mit den beiden jene Momente der Stille und Einkehr zu erleben. Nach dem gemeinsamen Gebet lädt das Ehepaar zum gemütlichen Zusammensitzen in der angebauten Pilgerstube ein. Ob gläubig oder nicht, jeder ist bei Josef Stoll und seiner Familie willkommen.

Gut 6.000 Pilger pro Jahr besuchen die Rosenkranzkapelle am Reither Kogel
Gut 6.000 Pilger pro Jahr besuchen die Rosenkranzkapelle am Reither Kogel ©Grießenböck
Gebete auf Knopfdruck: Der Rosenkranz-Automat spielt auf Wunsch vier verschiedene Rosenkranz-Gebete ab.
Gebete auf Knopfdruck: Der Rosenkranz-Automat spielt auf Wunsch vier verschiedene Rosenkranz-Gebete ab. ©Grießenböck

Bilder zur Presseinformation

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    Bergbauer Josef Stoll hat sich mit seiner Rosenkranzkapelle einen lang gehegten Traum erfüllt.

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    Gut 6.000 Pilger pro Jahr besuchen die Rosenkranzkapelle am Reither Kogel

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    Gebete auf Knopfdruck: Der Rosenkranz-Automat spielt auf Wunsch vier verschiedene Rosenkranz-Gebete ab.