Osttirol ist nicht für jeden. Und das ist gut so.
Aktualisiert am 16.09.2026 | Osttirol
Weniger Masse, mehr Charakter
Eine Destination, die nicht jedem gefallen möchte? Das klingt zunächst wenig nach Tourismusmarketing. Für Osttirol ist es jedoch Teil einer Haltung: Die Ferienregion setzt nicht auf möglichst viel von allem, sondern auf das, was ihren Charakter ausmacht. www.osttirol.com

Die Alpen gelten seit jeher als Sehnsuchtsort. Gleichzeitig stehen sie vor der Herausforderung, ihre Attraktivität zu bewahren, ohne ihre Eigenart zu verlieren. Mehr Nachfrage, mehr Infrastruktur, mehr Inszenierung: Was touristisch zunächst nach Erfolg klingt, kann langfristig genau das verändern, was Menschen ursprünglich suchen. Osttirol verfolgt deshalb einen anderen Ansatz. „Unser Ziel ist nicht, den Tourismus in Osttirol möglichst groß zu machen. Wir wollen, dass unsere Heimat ihren Charakter behält. Und genau dafür müssen wir manchmal bewusst Grenzen setzen“, sagt Franz Theurl, Obmann des TVB Osttirol. Das gilt auch für die Natur: Natürliche Freiräume, Weite und unbebaute Landschaft sind kein ungenutztes Potenzial, sondern genau das, wofür Gäste nach Osttirol kommen.
Der Berg ist immer der Chef

266 Dreitausender prägen die Region zwischen Großglockner, Hohen Tauern, Lienzer Dolomiten und Hochpustertal. Im Winter bedeutet das verschneite Täler, hochalpine Berge und Bedingungen, die sich nicht planen lassen. Gerade in der kalten Jahreszeit gibt es Tage, die sich langsam und anders entwickeln als gedacht: Während einer Wanderung durch die winterliche Natur, bei der nur das Knirschen der eigenen Schritte, der Wind in den Bäumen und der gelegentliche Ruf eines Vogels zu hören sind, kann das Bild nur wenige Höhenmeter weiter ganz anders aussehen: Wetter, Schnee und Temperaturen setzen Grenzen und manchmal entscheidet der Berg, wann es Zeit ist, umzukehren.
Was man alles lassen kann

Freiheit kann heute etwas sehr Einfaches sein: Platz zu haben. Platz für einen eigenen Weg, für einen ungeplanten Nachmittag, für einen Gedanken, der nicht sofort von der nächsten Benachrichtigung unterbrochen wird. Es geht nicht darum, möglichst viel in einen Urlaubstag zu packen, sondern selbst entscheiden zu können, was man daraus macht. Osttirol setzt dabei auf eine touristische Entwicklung, die sich an den vorhandenen Strukturen orientiert: kleine, gewachsene Orte, individuelle Angebote und Gastgeberbetriebe statt einer flächendeckenden Inszenierung der Landschaft. Das Defereggental etwa zählt zu den am wenigsten besiedelten Gebieten der österreichischen Alpen. Auch Kartitsch im Tiroler Gailtal setzt als erstes zertifiziertes Winterwanderdorf des Landes auf naturnahe Infrastruktur. Die Wege werden gepflegt und zugänglich gemacht, ohne die Umgebung zum Erlebnispark umzubauen.
Es dreht sich nicht alles um die Gäste

In Osttirol prägen Familienbetriebe, Bauernhöfe, kleine Pensionen und individuell geführte Unterkünfte das Bild. Wer dort zu Besuch ist, begegnet Menschen, die nicht nur Tourismus betreiben, sondern selbst Teil der Landschaft sind: Bauern, die morgens ihre Tiere versorgen, Gastgeber, die ihre Gäste persönlich begrüßen, Hüttenwirte, die wissen, wann eine Tour besser auf den nächsten Tag verschoben werden sollte. Wer nach Osttirol kommt, taucht in eine Region ein, die auch funktioniert, wenn keine Urlauber da sind. Denn der Tourismus ist Teil des Lebens in Osttirol – aber bestimmt nicht, wie dieses auszusehen hat.




