Zu Allerheiligen tanzt der Tod

Im Museumsfriedhof in Kramsach ist ein neues Highlight entstanden. Zehn moderne Totentanztafeln bilden den Zyklus „Das Letzte“, der mit einer Länge von 20 Metern und einer Fläche von 35 Quadratmetern weltweit der monumentalste ist. Davon können sich Besucher nicht nur zu Allerheiligen überzeugen. Der Museumsfriedhof ist das ganze Jahr bei freiem Eintritt geöffnet.

Auf den Bildtafeln, die gemeinsam einen Zyklus bilden, werden der Tanz und der Tot in Verbindung gesetzt
Auf den Bildtafeln, die gemeinsam einen Zyklus bilden, werden der Tanz und der Tot in Verbindung gesetzt ©Alpbachtal Seenland Tourismus

Wer den Museumsfriedhof in Kramsach kennt, der weiß, dass an diesem Ort schon immer ein wenig über den Tod geschmunzelt werden durfte. Vielleicht auch deshalb, weil im Friedhof gar keine Toten begraben sind. Vielmehr hat der Steinmetzmeister und Sagzahnschmied Hans Guggenberger dort über 100 Grabkreuze mit heiteren und skurrilen Inschriften gesammelt. „Hier liegt in süßer Ruh, erdrückt von einer Kuh, Franz Xaver Maier“, steht beispielsweise auf einem der Täfelchen. Die Menschen haben über die Jahrhunderte hinweg versucht, dem Tod mit Ironie seine Härte zu nehmen. Andererseits wurden auch Dinge erschaffen, um an die Vergänglichkeit alles Lebens zu erinnern. Aus diesem Grund sind bereits im Spätmittelalter sogenannte Totentänze entstanden. Angelehnt an den französischen Begriff (Danse macabre) wurden sie im deutschsprachigen Raum auch Makabertänze genannt. Auf den Bildtafeln, die gemeinsam einen Zyklus bilden, werden der Tanz und der Tot in Verbindung gesetzt.

Die beiden Vorstände des Vereins des Museumsfriedhof, Hans Guggenberger und Martin Reiter, hegten lange Zeit den Wunsch, eine zeitgemäße Totentanzdarstellung im Museum zu zeigen. Der aus Maurach am Achensee stammende Bildhauer Markus Thurner hat zehn moderne Totentanztafeln geschaffen, die durch zwölf Schemen unterbrochen werden. Bei den Gesichtern handelt es sich um die entfesselte Physiognomie. Dadurch wird der Text, der das unabwendbare Schicksal prophezeit, bildlich verdeutlicht. Wie in Dantes Göttlicher Komödie scheinen auch hier die Peiniger gepeinigt von den eigenen Taten. Dazu sagt der Künstler Markus Thurner: „Wie man sieht, kommt der Tod zum Tanz. Und er beugt sich über einen Schlafenden. Heimtückisch taucht er auf. Und er greift nach dem ahnungslosen Menschen. Es ist ein MEMENTO Mori.“ Dieses „memento mori“, also das „gedenke des Todes“ entspricht dem Grundgedanken der Totentänze. Der Mensch sollte sich der Allgegenwart des Todes bewusst sein. Er sollte also die Zeit des Lebens nützen, um ein guter Mensch zu sein. So betrachtet sollen diese Kunstwerke den Menschen nicht negativ an die Endlichkeit erinnern. Es ist vielmehr die Aufforderung, das Geschenk des Lebens zu schätzen.

Der Totentanz „Das Letzte“ ist 20 Meter lang und hat eine Fläche von 35 Quadratmetern. Er ist somit der weltweit monumentalste und modernste. Entworfen wurde er, wie bereits erwähnt, von Markus Thurner. Hans Guggenberger fertigte die Entwürfe in Cortenstahl aus. Der in Versen verfasste Text stammt von dem bekannten deutschen Kabarettisten Wilfried Schmickler. Ein weiterer Beleg, dass der Tod auch immer in Verbindung mit Ironie betrachtet werden sollte. Aber das weiß man in Kramsach schon länger. Davon kann man sich als Gast überzeugen. Der Museumsfriedhof ist das ganze Jahr bei freiem Eintritt geöffnet. Jedes Jahr erfreuen sich etwa 200.000 Besucher an den Scherzen und den Tänzen von Gevatter Tod. Infos unter: http://www.sagzahnschmiede.com/