Great Rides: Zehn weltmeisterliche Rennradtouren in Tirol

Aktualisiert am 12.03.2018

Die höchste Passstraße Österreichs, der höchste per Rennrad erreichbare Punkt oder der steilste Radberg der Alpenrepublik – in Tirol drängen sich Superlative auf, sobald es ums Rennradfahren geht. Im September 2018 folgt ein weiterer Superlativ, denn da gastiert mit der UCI Rad-WM eine der weltweit bedeutendsten Radsportveranstaltungen in Tirol. Mit zehn ausgewählten „Great Rides“ kommt auch bei Hobbysportlern WM-Feeling auf.

Ob zum Kitzbüheler Horn, rund um Innsbruck oder entlang der Kaunertaler Gletscherstraße –  auch abseits der UCI Rad-WM 2018 bietet Tirol tolle Rennradstrecken auf hervorragend ausgebauten Nebenstraßen. Das Straßennetz erstreckt sich hier über insgesamt 3.800 Kilometer. Zum Vergleich: Würde man diese Distanz von Innsbruck aus Richtung Norden radeln, käme man bis zum Nordkap. Beispielhaft für die vielen Strecken in Tirol stehen die „Great Rides“ – zehn Rennradtouren, die es in sich haben. Sie alle haben drei Dinge gemeinsam: viele Höhenmeter, tolle Ausblicke und rasante Abfahrten. Das wissen auch die Rennrad-Experten Thomas Pupp, Thomas Rohregger und Martin Weiss.

Thomas Pupp ist Gründer und Teammanager des „Tirol Cycling Team“, Buchautor von „Die schönsten Rennradtouren: 30 Klassiker und Geheimtipps in und um Tirol“ sowie Mitinitiator der UCI Rad-WM in Innsbruck/Tirol 2018.
Thomas Rohregger bestritt neben mehreren Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen auch die drei größten Rundfahrten im Profiradsport: Tour de France, Giro d‘Italia und Vuelta a España. Als seinen schönsten Erfolg bezeichnet er den Sieg bei der Österreich-Radrundfahrt 2008 – und seinen bislang ungebrochenen Streckenrekord auf das Kitzbüheler Horn.
Martin Weiss war jahrelang als Rennfahrer in zahlreichen Ländern bei nationalen und internationalen Rennen unterwegs. Der größte Erfolg des Allrounders aus Innsbruck war ein Etappensieg bei der Friaul-Rundfahrt 2014.

Der Arlberg Giro, der Ötztaler Radmarathon oder die Königsetappe der Tour de Suisse auf den Rettenbachgletscher im Ötztal haben Tirol einen festen Platz im internationalen Radsport-Kalender beschert. Von 22. bis 30. September 2018 richtet die internationale Radsportvereinigung UCI die Rad-WM erstmals in Tirol aus. Alle zwölf Wettbewerbe enden in der Host-City Innsbruck, die Starts liegen im Ötztal, in Hall-Wattens, im Alpbachtal (Rattenberg) und in Kufstein. Mit den folgenden zehn „Great Rides“ können sich auch Nicht-Profis auf die Spuren der WM begeben:

1) Bannwaldsee-Runde

„Rennradfahren im Tannheimertal, das bedeutet Rennradfahren im wohl schönsten Hochtal Europas. Und mit den am Weg liegenden Burgen und Schlössern eine Audienz bei König Ludwig dem Zweiten.“
(Thomas Pupp)

Grenzenloses Rennradfahren durch sattgrüne Wiesen, vorbei an historischen Königsschlössern, entlang tiefblauer Seen und durch idyllische Orte – so lässt sich die Bannwaldsee-Runde am besten zusammenfassen. Eingebettet in die Allgäuer und Ammergauer Alpen führt diese landschaftlich abwechslungsreiche Tour ausgehend von Tannheim nach Weißenbach am Lech, über die Grenze ins bayerische Füssen, rund um den Bannwaldsee und über das Engetal retour zum Ausgangspunkt.

Ausgangspunkt: Tannheim
Länge: 95 km
Höhenmeter bergauf: 1.090 m
Schwierigkeit: mittelschwierig
Maximale Steigung: 10%

2) Kaunertaler Gletscherstraße

„Ein Gigant von einem Berg. Höchster Schwierigkeitsgrad. Rauh und schön ist hier die Natur. Und hier, an diesem 41 Kilometer langen Anstieg, Tritt für Tritt, kannst du sie spüren, diese meditative Kraft des Rennradfahrens.“ (Thomas Pupp)

Auf zwei Rädern bis zum „ewigen Eis“: Mit dem Weißseeferner Gletscher als Tourenziel zählt die Kaunertaler Gletscherstraße wohl zu den spektakulärsten Rennradtouren in den Alpen. Ausgehend vom Talort Prutz sind rund 1.900 Höhenmeter auf dieser kurvenreichen und teils steilen Strecke zu überwinden, ehe man auf einer Höhe von 2.750 Meter am Fuße der hohen Weißseespitze ankommt. Das imposante Straßenbauwerk mit seinen 29 Kehren war in der Vergangenheit mehrmals Etappenziel der Österreich-Rundfahrt. Nunmehr wird alljährlich im Juni der „Kaunertaler Gletscherkaiser“ unter den Hobbyathleten ermittelt.

Ausgangspunkt: Prutz
Länge: 77 km
Höhenmeter bergauf: 2.260 m
Schwierigkeit: schwierig
Maximale Steigung: 18%

3) Ötztaler Gletscherstraße

„Der rot-weiß-rote Höhepunkt mit 2.830 Metern. Jan Ulrich bezeichnete den Anstieg als ‚Tierquälerei‘, und Jens Voigt wollte ‚die Bergwacht rufen und eine Lawinenwarnung ausgeben‘. Noch Fragen?“ (Thomas Pupp)

Mit dem Rennrad auf den höchsten, über eine Straße erreichbaren, asphaltierten Punkt (2.830 m) der Alpen. Bei durchschnittlich 10,5 Prozent Steigung ist die Ötztaler Gletscherstraße allerdings keine einfache Aufgabe. Diese schwierige Strecke entlang der 1972 gebauten Straße führt von Sölden durch das spektakuläre Rettenbachtal hoch zu den Gletscherskigebieten im Ötztal. Den Rettenbach- und Tiefenbachferner erreicht man nach 14,5 Kilometer und der Durchfahrt des Rosi-Mittermeier-Tunnels, dem höchst gelegenen Tunnel der Alpen.

Ausgangspunkt: Sölden
Länge: 31 km
Höhenmeter bergauf: 1.550 m
Schwierigkeit: schwierig
Maximale Steigung: 16%

4) Innsbruck-Kühtai

„Der zu großen Teilen im Schatten gelegene Anstieg ins Kühtai bringt Ruhe und Abkühlung in lange, heiße Sommertage. Die rasante Abfahrt nach Innsbruck wird dabei zum puren, mit Adrenalin gefüllten Vergnügen.“ (Martin Weiss)

Das Kühtai ist in der Rennradszene schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. Somit zählt die Runde ausgehend von Innsbruck über das vordere Ötztal nach Kühtai und über das Sellraintal retour in die Landeshauptstadt als absoluter Klassiker, der in keinem Tourenbuch fehlen darf. Bei dieser anspruchsvollen Tour über 110 Kilometer inmitten imposanter Bergwelt gilt es, rund 1.720 steile und kräfteraubende Höhenmeter zu bewältigen. Ein traumhaftes Panorama, immer wieder herrliche Ausblicke auf die Gipfel der Ötztaler und Stubaier Alpen und gemütliche Einkehrmöglichkeiten in idyllischen Dörfern sind die Belohnung für die Strapazen.

Ausgangspunkt: Innsbruck
Länge: 110 km
Höhenmeter bergauf: 1.720 m
Schwierigkeit: schwierig
Maximale Steigung: 18%

5) Olympia-Express (Innsbrucker Dörferrunde)

„Meine persönliche Lieblingsrunde rund um Innsbruck. Vor allem bei wechselhaften Wetterverhältnissen bietet sich diese Tour aufgrund der vielen Abkürzungsmöglichkeiten sehr gut an.“ (Martin Weiss)

Olympia ist im zweifachen Austragungsort Innsbruck allgegenwärtig, so auch bei der Rennradtour mit dem klingenden Namen „Olympia-Express“. Lang, anspruchsvoll und unzählige Höhenmeter – das sind die Attribute dieser Tour im Großraum Innsbruck, deren Streckenführung ausgehend von der Tiroler Hauptstadt durch alle Austragungsorte der Olympischen Winterspiele 1976 führt. Die Route ist so angelegt, dass sie vielerorts abgekürzt werden kann, um zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Somit bietet sie auch Einsteigern die Möglichkeit, den Charme dieser tollen Tour zu entdecken – intakte Natur, traditionelle Dörfer und Straßen mit Geschichte.

Ausgangspunkt: Innsbruck
Länge: 172 km
Höhenmeter bergauf: 2.800 m
Schwierigkeit: schwierig
Maximale Steigung: 16%

6) Zillertaler Höhenstraße

„Sie sind starke Radfahrer, die Zillertaler Georg und Harald Totschnig sowie Clemens Fankhauser. Kein Wunder, bei diesem Trainingsgelände: Steil, sehr steil. Und oben die wohl schönste Kammstraße Tirols.“ (Thomas Pupp)

Lang, steil und atemberaubende Ausblicke in die Bergwelt der Tuxer, Kitzbüheler und Zillertaler Alpen – diese Eigenschaften zeichnen die Routen rund um die Zillertaler Höhenstraße aus. Die schweißtreibenden Anstiege an der Westseite des bekannten Zillertals machen diese Panorama-Tour zu einer der großen Herausforderungen für Rennradfahrer in Tirol. Hat man den langen Aufschwung von Hippach geschafft, hat man sich eine Stärkung bei der Jausenstation Melchboden wahrlich verdient. Die zahlreichen tollen Aussichtspunkte entlang der Route machen diese schwierige und lange Tour trotz ihres fordernden Charakters zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Ausgangspunkt: Hippach
Länge: 34 km
Höhenmeter bergauf: 1.590 m
Schwierigkeit: schwierig
Maximale Steigung: 20%

7) Giro Region 31: Rattenberg-Runde

 „Die Fahrt über diesen Sattel: Ein „rennradlerischer“ Höhepunkt. Saftige Wiesen, Bauernhöfe, Bergkulisse. Und praktisch kein Verkehr. Und dann ein süßer Einkehrschwung beim Hacker in Rattenberg, Österreichs kleinster Stadt.“ (Thomas Pupp)

Ausgehend von Rattenberg, einem Etappenstartort der UCI Rad-WM 2018, führt diese anspruchsvolle Tour abseits stark befahrener Verkehrsrouten auf ruhigen Neben- und Landstraßen in drei Schleifen durch die gesamte Region. Jede Schleife hat ihre landschaftlichen Highlights. So führt die erste Schleife über den Kerschbaumsattel bis ins Zillertal und die zweite Schleife entlang der glasklaren Brandenberger Ache in das Brandenbergtal. Entlang der dritten Schleife führt die Route vorbei an den herrlichen Reintaler Seen, bei denen sich eine Rast anbietet.

Ausgangspunkt: Rattenberg
Länge: 117 km
Höhenmeter bergauf: 2.500 m
Schwierigkeit: schwierig
Maximale Steigung: 18%

8) Chiemgau-Runde über Wildbichl

„Das sanften Hügelland von Kufsteins und der Anstieg zum Niederndorferberg machen diese Runde neben der wunderschönen Landschaft zum absoluten Genuss für jeden Radler. Kufstein ist übrigens einer der Startorte der Rad-WM 2018.“ (Thomas Rohregger)

127 Kilometer bewältigen Rennradler während dieser mittelschweren Tagestour durch die Hügellandschaft des Alpenvorlands. Von Kufstein führt die Strecke über Aschau im Chiemgau und Siegsdorf nach Ruhpolding. Mit gut verteilten 1.350 Höhenmetern und sanften Anstiegen ist die Genussrunde mit zahlreichen Einkehrmöglichkeiten auch für durchschnittlich gute Hobbysportler gut machbar. Sie bietet sowohl historische als auch landschaftliche Highlights wie die Schlösser von Kufstein und Aschau im Chiemgau oder die idyllische Berg-und-Seen-Landschaft zwischen Ruhpolding und Niederndorf.

Ausgangspunkt: Kufstein, Unterer Stadtplatz
Länge: 127 km
Höhenmeter bergauf: 1.350 m
Schwierigkeit: mittelschwierig
Maximale Steigung: 14%

9) Kitzbüheler Horn

„Mein Hausberg! Das Kitzbüheler Horn zählt zu den schwierigsten Bergen, die ein Radsportler mit dem Rennrad bezwingen kann. Spätestens am „Knödelfleischgraben“ – der steilsten Stelle – trennt sich die Spreu vom Weizen. Ich halte nach wie vor den Rekord, mit einer Zeit von 28 Minuten und 24 Sekunden.“ (Thomas Rohregger)

Keine Erholungsphasen, keine Gnade – nicht umsonst ist diese Rennradtour auf das Kitzbüheler Horn die Königsetappe der Österreich Rundfahrt. Bereits beim Anblick des Höhenprofils flößt sie wie keine andere Strecke in Tirol den Rennradfahrern Respekt ein. Mit einer Steilheit von durchgehend 10 bis 22 Prozent bringt sie Sportlerbeine an ihre Grenzen. Hoch über Kitzbühel, dem Ausgangspunkt dieser Tortur, wartet das Alpenhaus mit kulinarischen Köstlichkeiten, um die leeren Kohlehydrate-Speicher am Ziel wieder aufzufüllen.

Ausgangspunkt: Kitzbühel, Talstation Hornbahn
Länge: 21 km
Höhenmeter bergauf: 990 m
Schwierigkeit: schwierig
Maximale Steigung: 22%

10) Lienzer Dolomitenrunde

„Eine meiner absoluten Lieblingsrunden. Nach dem Anstieg zum Gailbergsattel folgt der terrassenförmig verlaufende Anstieg durchs Lesachtal zum Kartitscher Sattel. Das Lesachtal ist ein absolutes Naturparadies. Stehenbleiben, durchatmen und die Umgebung mit allen Sinnen wahrnehmen lohnt sich.“
(Thomas Rohregger)

Diese Rundtour orientiert sich an der Streckenführung der traditionellen Dolomitenrundfahrt. 122 Kilometer, 2.300 Höhenmeter und drei Pässe erwarten Rennradler entlang dieser anspruchsvollen Route. Nach dem kurzen Anstieg auf den Gailbergsattel bietet die Abfahrt nach Kötschach nur eine kurze Verschnaufpause, bevor der konditionell und fahrerisch anspruchsvollste Pass der Tour in Angriff genommen wird. Der Anstieg auf den Kartitscher Sattel wird aufgrund seiner Länge sowie seiner unzähligen Gegenanstiege zur echten Herausforderung. Das abschließende Highlight der Tour ist die Pustertaler Höhenstraße mit einer maximalen Steigung von 17 Prozent.

Ausgangspunkt: Lienz
Länge: 122 km
Höhenmeter bergauf: 2.300 m
Schwierigkeit: schwierig
Maximale Steigung: 17%

Weitere Infos: www.tirol.at/greatrides

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