Superlative in der Silberregion Karwendel

Aktualisiert am 24. April 2019

Mit dem schönsten Ostergrab, den Grasausläutern und der Maibutter heißt die Silberregion Karwendel den Frühling herzlich willkommen. Außergewöhnliche Traditionen und tief verwurzeltes Brauchtum können hier miterlebt – und geschmeckt – werden.

ichmachefotos.com / TVB Silberregion Karwendel © ichmachefotos.com / TVB Silberregion Karwendel

Tirols größtes und schönstes Ostergrab

Die Stimmung geht unter die Haut und es ist wohl diese Mischung aus eindrucksvollen Bildern, Stille und Feierlichkeit, die ein leichtes Prickeln auslösen. Hier, in der Franziskanerkirche in Schwaz, wo das größte Ostergrab des Landes Tirol die Besucher auf das höchste Fest des Kirchenjahres einstimmt.

In der Karwoche, die Ostern vorausgeht, werden in katholischen Kirchen die Kreuze mit violetten Tüchern verhüllt. Das ist eine alte Tradition. In manchen Kirchen passiert aber noch mehr. Wie eben in der Kirche des Schwazer Franziskanerklosters, wo am Samstag vor dem Palmsonntag der gesamte Altarraum kunstvoll umhüllt beziehungsweise verdeckt wird – mit dem heiligen Ostergrab, das nicht nur das größte, sondern auch das schönste des Landes ist.

Vieler Hände Arbeit sind nötig, um dieses Grab aufzubauen, das auf einer Fläche von rund 160 Quadratmetern mit kunstvollen Malereien die Betrachter fesselt. Am Karfreitag, heuer also am 19. April 2019, wird eine hölzerne Christusfigur ins Grab gelegt und mit einem weißen Schleier bedeckt. Am Abend des Ostersamstags füllt sich die Kirche dann mit Gläubigen und die Kerzen in ihren Händen tauchen das Gotteshaus in ein flackerndes, warmes Licht. So können sie sehen, dass das Grab plötzlich leer ist und Jesus bald in Form eines Gemäldes aufersteht.

Nicht nur das größte und schönste Ostergrab des Landes macht Schwaz zu einem Mittelpunkt dieser berührenden Tradition. Auch in der Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt, dem so geschichtsträchtigen wie imposanten gotischen Gotteshaus im Herzen der Silberstadt, ist ein Ostergrab zu bewundern. Dort wird ein sehr selten gewordenes Ritual gepflegt. Mitglieder der „Andreas Hofer-Schützenkompanie Schwaz“ treten am Ostersamstag zur Ostergrabwache an. Von 8:00 bis 18:00 Uhr wird das Grab von den Schützen in ihrer stolzen Uniform bewacht und alle 30 Minuten findet die Wachablöse statt.

Der Frühling ist da!

Mit diesem heiligen und dramatischen Schauspiel beginnt in der Silberregion Karwendel die Osterzeit, mit der heuer auch der Frühling richtig durchstarten darf. Dann jedenfalls, wenn in zahlreichen Orten der Region die Grasausläuter dem Winter den Garaus gemacht haben. In Stans beispielsweise, in Terfens oder in Schwaz, wo es den Bewohnern am Ostermontag, den 22. April 2019, schwergemacht wird, genüsslich auszuschlafen. Die Mitglieder der ersten Schwazer Schützenkompanie werden sich jedenfalls voll Inbrunst darum bemühen, mit den rund 40 großen Kuhglocken und etwa 20 kleineren, heller klingenden Glocken der kleinen Schützen richtig lauten Lärm zu verursachen. Lärm, der nicht nur die Langschläfer wach- sondern die Erde zugleich aufrüttelt. Das ist das Ziel.

Mit dem Klang der kräftig geschwungenen Glocken läuten sie das Gras heraus. Grasausläuten wird dieser Brauch genannt, der die glockenschwingenden Schützen rund 18 Kilometer, also fast einen halben Marathon durch die Orte der Silberregion Karwendel zurücklegen lässt. Damit es überall sprießt. Das Gras.

ichmachefotos.com / TVB Silberregion Karwendel © ichmachefotos.com / TVB Silberregion Karwendel

Die Maibutter

Dieses erste, saftige Grün ist es, das nicht nur die Augen der Menschen erfreut, sondern auch die Gaumen der Kühe, die auf den endlich wieder satten Wiesen Bocksprünge machen, bevor sie ein Festmahl abhalten. Für diesen Schmaus bedanken sie sich mit frischer Milch – Grasmilch. Grasmilch schmeckt anders als Heumilch und das liegt zwar sicher auch am Spaß der Kühe, aber mehr dann doch daran, dass die Milch viel mehr Fett enthält und viel mehr Eiweiß. Diese Zusammensetzung nutzen die Bäuerinnen in der Silberregion Karwendel dazu, die traditionelle Maibutter zu schlagen. Sie ist eine wahre Götterspeise – säuerlich, süß, cremig und insgesamt üppig verlockt sie die Geschmacksknospen zu einem kleinen Juchezer.

Die Maibutter wird – reichlich bestreut mit Zucker und Zimt – als Dessert genossen und – das erstaunt im ersten Moment – mit Schwarzbrot gegessen. Dabei wird die Maibutter nicht auf das Brot geschmiert. Nein, nein – diese Butter wird gelöffelt und das Schwarzbrot wird dazu gegessen. Eine herrliche Tradition, die ihrem Namen gerecht wird. Die Maibutter gibt es nur im Mai – nur in der Silberregion Karwendel – beim Bucherwirt in Buch bei Jenbach beispielsweise

Einzeldownloads