Das kletternde Klassenzimmer – Aufstieg ins Leben

Disziplin, Sicherheit, Ausdauer und hartes Training – wer im Klettern richtig gut sein will, muss einiges lernen. Mike Gabl ist Kletterlehrer an der neuen Sportmittelschule Imst und selbst leidenschaftlicher Kletterer. In einem Interview erklärt er, warum das Klettern seiner Meinung nach die ideale Vorbereitung auf die Zukunft ist und wie seine Schüler bereits sehr früh lernen, Verantwortung zu übernehmen.

Mike Gabl hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Er betrachtet das Klettern als Schule fürs Leben.
Mike Gabl hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Er betrachtet das Klettern als Schule fürs Leben. ©Tirol Werbung

An der neuen Sportmittelschule Imst Unterstadt ist der Kletterunterricht fixer Bestandteil des Lehrplans. Die Kinder haben hier bis zu acht Stunden Klettern pro Woche. Regelmäßiger Unterricht und intensives Training bildeten auch die Erfolgsbasis für die erste österreichische Juniorenweltmeisterin Bettina Schöpf, für die vierfache Weltmeisterin Angela Eiter (in der Disziplin Lead) und Kletter-Ass Katharina Posch.

Doch Erfolg im Wettkampf ist nicht das Einzige, was Mike Gabl seinen Schülern vermitteln möchte. In seinen Augen ist der Kletterunterricht auch gesundheitlich und pädagogisch sehr wertvoll für Kinder. Obwohl er fünf Lehramtsprüfungen, unter anderem in Italienisch und Englisch hat, deckt der 56-jährige Mike Gabl seinen Lehrauftrag seit 1997 ausschließlich mit Kletterstunden ab. Während seinem Studium an der Pädagogischen Hochschule hat er zusätzlich Ausbildungen zum Bergführer und staatlich geprüften Skilehrer gemacht. Nebenbei fungiert er als technischer Leiter der Tiroler Kletter-Initiative Climbers Paradise. Warum das Klettern nicht nur ein gesunder Ganzkörpersport, sondern auch eine wichtige Vorbereitung für die berufliche Zukunft der Kinder ist, erzählt Mike Gabl aus seiner persönlichen Erfahrung.

Der Sportlehrer ist selbst leidenschaftlicher Kletterer
Der Sportlehrer ist selbst leidenschaftlicher Kletterer ©Tirol Werbung

Mike, warum ist das Klettern für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen so hilfreich?

 Als Sportlehrer kenne ich sehr viele Sportarten und habe auch selbst viele unterschiedliche Sportarten betrieben. Trotzdem kenne ich keine andere Sportart bei der der Mensch ganzheitlich so gefordert ist wie beim Klettern. Das heißt man muss gelenkig, fit und von den Füßen bis zum Oberkörper durchtrainiert sein. Außerdem sollte man seine Ernährungsgewohnheiten im Griff haben.

Und was für mich als Pädagoge vielleicht das Wichtigste beim Klettern ist: Die Kinder lernen Verantwortung zu übernehmen. Beim Sichern haben die Schüler im wahrsten Sinne des Wortes das Leben des Anderen in der Hand. Manche von ihnen sind erst 10 Jahre alt, aber sie müssen bereits begreifen, dass sie eine große Verantwortung tragen. Und das tun sie auch. Ich glaube, das ist das pädagogisch Wertvollste an der ganzen Geschichte.

Gibt es Momente, in denen Dir bewusst wird, warum Du Klettern so gerne unterrichtest?

 Ganz toll für mich ist natürlich wenn ich in den Klettergärten Kletterer treffe, die mittlerweile 30, 35 oder schon 40 Jahre alt sind, bei mir Klettern gelernt haben und es immer noch mit gleicher Leidenschaft und Freude betreiben. Das ist für mich eigentlich die Bestätigung und freut mich am meisten.

Da manche Kinder ja auch ihre Eigenheiten haben, ist es vermutlich nicht immer leicht, das Klettern zu unterrichten. Gibt es einen bestimmten pädagogischen Ansatz oder Unterrichtsstil, an dem du dich orientierst?

 Ich bin mit allen Kindern per „Du“. Auch wenn das manche Lehrer nicht angebracht finden. Trotzdem bin ich relativ autoritär. Das heißt, ich habe mit meinen Schülern zwar ein feines, freundschaftliches Verhältnis aber es muss dennoch das passieren, was ich sage – vor allem in Sicherheitsfragen. Beim Sichern müssen die Kinder wirklich konzentriert sein. Sie dürfen keinen Blödsinn machen und müssen gut aufpassen. Wenn es um die Sicherheit geht, bin ich streng. Es kommt ganz selten vor, dass beim Klettern was passiert. Aber dazu gehört auch eine gewisse Disziplin und eine Aufsichtsperson auf die die Kinder hören. Sonst wäre es gefährlich.

Wenn es um die Sicherheit geht, kann Mike Gabl auch einmal streng sein.
Wenn es um die Sicherheit geht, kann Mike Gabl auch einmal streng sein. ©Tirol Werbung

Einige Schüler treten während ihrer Schulzeit zu Klettermeisterschaften und Wettbewerben an. Es gibt allerdings nicht viele, die später tatsächlich professionelle Sport- oder Leistungskletterer werden. Haben die Kinder trotzdem etwas von den Vorbereitungen und Wettkämpfen? Worin siehst du die Vorteile davon?

 Für mich ist das ganz klar. Wenn Schüler an einem Wettkampf teilnehmen oder beim Projektklettern mitmachen, dann setzen sie sich Ziele. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen sie sich natürlich überlegen, was zu tun ist und auch wirklich bereit sein, etwas zu leisten. Diese Erfahrungen im Sportbereich kann man dann auch beruflich umsetzen. Es ist auf alle Fälle ein Vorteil, konsequent auf ein Ziel hinzuarbeiten und zu wissen, wie man seine Ziele erreichen kann. Das sehe ich auch bei meinen ehemaligen Kletterschülern. Sie stehen heute alle mit beiden Füßen im Leben, haben fast alle studiert und einen anständigen Job.

Gibt es in deinem Leben spezielle Klettererlebnisse, Highlights oder Errungenschaften die dich besonders stolz machen?

Ganz ehrlich, ich bin 56 Jahre alt und gehe heute die schwersten Touren meines Lebens. Ich klettere Routen im neunten Grad also 7C – das hätte ich vor 20 oder 30 Jahren nie geschafft.

Also das ist das Tolle am Klettern ist, es ist eine Lifetime-Sportart. Wir haben Kinder in den Kletterhallen, die noch Windeln tragen. Und der Älteste den ich kenne, ist jetzt 84 Jahre alt und klettert im achten Schwierigkeitsgrad.

Ich habe selbst erlebt, dass man sich immer noch verbessern und weiterentwickeln kann. Natürlich habe ich viel Erfahrung und trainiere viel, deshalb klettere ich heute Touren, bei denen ich früher nicht einmal vom Boden los gekommen wäre. Aber ich bin Kletterer, kein Himalaya-Bergsteiger. Irgendwo im Schnee zu schlafen und auf Expeditionen zu gehen, hätte mich nie interessiert. Ich bin Felskletterer und mag das Gesamtpaket. Dazu gehören für mich zum Beispiel auch das Reisen und das Kulinarische, wenn ich in einem anderen Land bin.

Weitere Informationen zu Klettermöglichkeiten und Kinderklettern in Tirol gibt es hier:

www.tirol.at/klettern-mit-kindern

www.tirol.at/familienklettergaerten

Bilder zur Presseinformation

  • Mike Gabl hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Er betrachtet das Klettern als Schule fürs Leben.

  • Der Sportlehrer ist selbst leidenschaftlicher Kletterer

  • Wenn es um die Sicherheit geht, kann Mike Gabl auch einmal streng sein.

  • Sicherheit und Konzentration sind wichtige Faktoren beim Klettern.

  • "Beim Kletterunterricht braucht es eine Aufsichtsperson auf die die Kinder hören."

  • Ein freundschaftliches Verhältnis zu seinen Schülern ist Mike Gabl wichtig.

Video zur Presseinformation

  • Kletterunterricht für Kinder - Das kletternde Klassenzimmer in Tirol